
Fast jede Kleinstadt besaß in früheren Zeiten einen Pulverturm. Der
Dresdner jedoch war mit einer Höhe von 23 Metern ein wahrer Riese.
Vermutungen, dass er 1565 aus einer Windmühle umgebaut wurde, sind
nicht belegbar. Nachgemessen wurden 18 Meter Durchmesser, das sind
etwa 33 Dresdner Ellen. Die ebenfalls ermittelte größte Mauerdicke von über 2 Metern wäre für eine Windmühle sehr ungewöhnlich gewesen.
Fest steht, dass der Pulverturm Teil der Dresdner Befestigungsanlage war
und zur Aufbewahrung des Schießpulvers diente. Pläne und Grundrisse
aus den Jahren 1591 und 1592 u.a. von Festungsbaumeister Paul Bucher
beweisen dies. Ein Holzschnitt von 1594 zeigt den Baufortschritt, bei dem
auch Schäden eines Blitzeinschlags von anno 1585 beseitigt wurden.
Bis ins 17. Jahrhundert gehörte der Pulverturm nun zur auf allen Stichen
und Gemälden gezeigten „Türmegalerie“ Dresdens. Nachdem man 1744 die Pulvervorräte in die drei Türme an den Neustädter
Wällen umlagerte, wurde er bis auf die noch heute vorhandenen
Mauerreste abgerissen.
Auf königlichen Erlass erhielt Johann Christoph Knöffel das Land hinter
der Frauenkirche geschenkt, wo er zunächst zwei Gebäude errichtete,
wovon eines die Porzellanmanufaktur beherbergte. 1760 wurden beim
Beschuss der Stadt diese beiden Gebäude fast vollständig zerstört.
Drei Jahre später erwarb Friedrich August, Reichsgraf von Cosel, Sohn
des sächsischen Kurfürsten August des Starken und der Reichsgräfin von
Cosel, die Ruine des Knöffelschen Gebäudes.
Er ließ von Julius Heinrich Schütze, einem Schüler Knöffels, den Ausbau
zum Coselpalais in der heute wieder entstandenen Form durchführen.
Im Untergeschoss finden sich noch immer die beeindruckenden, historischen
Fragmente des Pulverturms sowie ein Gewölbe des Knöffelschen
Hauses aus dem 18. Jahrhundert.
In Anlehnung an die militärische Vergangenheit Sachsen entstand im
Frühjahr 2000 das Restaurant „Pulverturm an der Frauenkirche“.
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